Landeshauptmann Anton Mattle setzte symbolisch den letzten Stein und zeigte sich bei seinem Besuch auf der Großbaustelle beeindruckt: „Der Ausbau der Kraftwerksgruppe im Kühtai ist eine Meisterleistung der Ingenieure und ein Meilenstein für die Tiroler Energiewende. Wir brauchen die Wasserkraft und insbesondere Pumpspeicherkraftwerke, um die Überschussenergie von Wind und Sonne zu speichern und Versorgungssicherheit sowie Netzstabilität zu gewährleisten. Für uns zählt die Unabhängigkeit bei der Speichertechnologie. Unsere Speicherkraftwerke brauchen keine kritischen Rohstoffe, die importiert werden müssen, wie das bei Batteriespeicher der Fall ist. Wir sollten also vor allem auf die natürlichen Gegebenheiten setzen und zur Energiespeicherung Stauseen selber bauen. Ich will weder von russischem Gas und iranischem Öl noch von kritischen Batterie-Rohstoffen aus China oder Indien abhängig sein. Mit dem neuen Kraftwerk im Kühtai machen wir also einen großen Schritt in Richtung mehr Unabhängigkeit bei der Energieversorgung.“
Großer Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit
Insgesamt wurden rund 6,9 Mio. Kubikmeter Material für den insgesamt 113 Meter hohen Steinschüttdamm verbaut. „Das Material wurde dabei vollständig aus dem Aushub des Speicherraums bzw. dem anfallendem Tunnelausbruchsmaterial gewonnen“, informierte TIWAG-Vorstand Alexander Speckle. Der zusätzliche Speicher weist ein Nutzvolumen von 31 Mio. Kubikmetern auf. Diese grüne Batterie der Alpen kann 100 Mio. KWh Energie speichern und könnte daher 30.000 Haushalte ein ganzes Jahr lang mit Strom versorgen.
Über den Sommer erfolgt nun der langsame Probe-Einstau des Speichers. Dafür sorgt neben dem natürlichen Zufluss auch eine 25,6 Kilometer lange und unterirdische Beileitung. Die Arbeiten dafür wurden im heurigen Frühjahr abgeschlossen. „Damit sind die wesentlichen Bestandteile unseres neuen Kraftwerks fertiggestellt. Im Herbst starten wir bereits mit dem Probebetrieb, die offizielle Eröffnung findet dann 2027 statt. Für alle Interessierten findet am 05. September noch einmal ein Tag der offenen Baustelle statt“, so Speckle.
Mit einer installierten Leistung des neuen Kraftwerks von 190 MW können jährlich rund 216 Millionen kWh zusätzliche erneuerbare Energie erzeugt werden. Darüber hinaus wird die Effizienz der bestehenden Anlagen um etwa 15 Millionen kWh pro Jahr gesteigert. Das zusätzliche Speichervolumen erhöht sich um rund 50 Prozent, was die Flexibilität des gesamten Systems deutlich verbessert. Jährlich können so rund 127.000 Tonnen CO2 eingespart werden, wodurch das Projekt entscheidend zur Reduktion von CO₂-Emissionen in Tirol beiträgt.
Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es, Eingriffe in Natur und Landschaft so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig ökologische Verbesserungen zu erreichen. Dazu wurde ein umfassendes Maßnahmenpaket umgesetzt: Flussabschnitte am Inn und an der Ötztaler Ache wurden renaturiert, natürliche Flussdynamiken wiederhergestellt und neue Seitenarme geschaffen. Neue Amphibienbiotope, renaturierte Feuchtlebensräume und wiederhergestellte Moorflächen tragen zusätzlich zur ökologischen Aufwertung bei. Auch Alm- und Waldflächen werden durch Aufforstungen und Verbesserungsmaßnahmen nachhaltig gestärkt.
1,13 Mrd. Euro Investitionssumme
Mit einer Investitionssumme von rund 1,13 Milliarden Euro setzt TIWAG zugleich einen starken wirtschaftlichen Impuls. „Insgesamt investieren wir in den nächsten Jahren rd. 2,5 Mrd. Euro für mehr Eigenversorgung und weniger Abhängigkeit von Öl und Gas. Damit ist die TIWAG nicht nur ein wichtiger Motor der Tiroler Energiewende, sondern leistet auch einen großen Beitrag für Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Tirol – und das in einer wirtschaftlich herausfordernden Zeit“, betonte TIWAG-Vorstand Michael Kraxner.
Im Bild: Feierliche „Krönung“ auf der fertiggestellten Dammkrone im Kühtai mit LH Anton Mattle und den beiden TIWAG-Vorständen Michael Kraxner (l.) und Alexander Speckle (r.).