Im Sommer 2027 ist die festliche Eröffnung des neuen Pumpspeicherkraftwerks Kühtai 2 mit dem Speicher Kühtai als Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz geplant. Der neue Speicher ist bereits mit rund 5 Mio. m³ Wasser gefüllt, auch im unterirdischen Kavernen-Kraftwerk sind die umfangreichen Test- und Inbetriebsetzungsarbeiten im Laufen. Mit dem Ausbauprojekt stärkt TIWAG die Versorgungssicherheit Tirols und schafft zusätzliche Speicherkapazitäten für die Energiewende. Insgesamt investiert TIWAG rd. 1,13 Mrd. Euro in das Projekt.
„Mit unserem Ausbauprojekt im Kühtai erhöhen wir die Energieunabhängigkeit Tirols und schaffen zusätzliche Speicherkapazitäten. Das Projekt zählt zu den wichtigsten Energieinfrastrukturvorhaben unseres Landes“, betont TIWAG-Vorstandsdirektor Alexander Speckle. Mit dem zusätzlich über einen Beileitungsstollen ins Kühtai geleitete Wasser werden jährlich rund 216 Millionen kWh zusätzliche erneuerbare Energie erzeugt. Der neue Speicher weist ein Nutzvolumen von 31 Mio. Kubikmetern auf. Das gesamte Speichervolumen der Anlage wird damit um rund 50 Prozent erhöht. „Seit Mitte Juni 2026 läuft das Einstauprogramm“, berichtet TIWAG-Projektleiter Klaus Feistmantl. Der Speicher wird dabei nicht auf einmal gefüllt, der Aufstau erfolgt langsam und in Schritten zu je 20 m Höhe. Auf jede Einstaustufe folgt eine rund sechswöchige Beharrungsphase, in der der Wasserspiegel konstant gehalten wird. Erst nach positiver Bewertung sämtlicher Messwerte beginnt die nächste Stufe. Während der gesamten eineinhalbjährigen Probestauphase werden Damm, Untergrund und Stauraum intensiv überwacht.“ Die bisherigen Ergebnisse entsprechen unseren Erwartungen. Das Einstauprogramm verläuft planmäßig und bestätigt die hohe Qualität der ausgeführten Bauarbeiten“, so Feistmantl.
Große Fortschritte konnten auch bei der Beileitung und den Wasserfassungen erzielt werden. Der Beileitungsstollen wurde im April 2026 durchgeschlagen und die sechs Wasserfassungen im Sommer fertig gestellt. Die drei Wasserfassungen im Sulztal werden derzeit in Betrieb genommen. Es wird dabei nur eine ökologisch verträgliche Wassermenge entnommen. Im Winter erfolgt keine Wasserentnahme.
Im Stubaital läuft derzeit noch die Inbetriebsetzung der drei Wasserfassungen. Diese werden bis Ende September 2026 in Betrieb gehen.
Im neuen Kraftwerk Kühtai 2 laufen bereits seit mehreren Monaten die Test- und Inbetriebsetzungsarbeiten. Die Anlage wurde komplett unterirdisch in einer Felskaverne errichtet und ist für den Pumpspeicherbetrieb konzipiert. Herzstück sind zwei reversible Pumpturbinen, die sowohl Strom im Turbinenbetrieb erzeugen als auch Wasser zurück in den höhergelegenen Speicher Finstertal pumpen können. Die beiden Maschinensätze haben zusammen eine installierte Leistung von 190 MW. „Diese Technologie ermöglicht einen besonders flexiblen und effizienten Betrieb und ist ein wichtiger Baustein für die Integration erneuerbarer Energien aus Wind und Photovoltaik in das Stromsystem“, so der TIWAG-Projektleiter. Im Zuge der laufenden Prüf- und Testprogramme werden sämtliche Anlagenteile unter realen Betriebsbedingungen auf Herz und Nieren getestet. Dabei kam es bei einer der beiden Maschineneinheiten zu einer Unregelmäßigkeit, wodurch Komponenten des Generators beschädigt wurden. Die Ursachenanalyse läuft derzeit gemeinsam mit den beteiligten Fachunternehmen. „Die notwendigen Reparaturarbeiten haben nach aktuellem Stand keine Auswirkungen auf die geplante Gesamtfertigstellung des Kraftwerks im Sommer 2027“, versichert Feistmantl. Die Arbeiten an der zweiten Maschineneinheit wurden zwischenzeitlich vorgezogen und verlaufen planmäßig. „Gerade bei technisch hochkomplexen Anlagen sind umfangreiche Prüf- und Testprogramme ein wesentlicher Bestandteil der Inbetriebsetzung. Sie dienen dazu, mögliche Abweichungen frühzeitig zu erkennen und vor dem Regelbetrieb zu beheben“, sagt Feistmantl.
Ein weiterer Höhepunkt steht bereits am 5. September 2026 bevor: Beim Tag der offenen Baustelle erhalten Besucherinnen und Besucher erneut die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen eines der größten Energieinfrastrukturprojekte Tirols zu werfen. Besonderes Augenmerk gilt heuer den umfangreichen Renaturierungs- und Ausgleichsmaßnahmen rund um das Projektgebiet. Interessierte können sich direkt vor Ort über die ökologischen Begleitmaßnahmen informieren und unter anderem selbst einen Beitrag zur Aufforstung leisten.